Ich bin wieder ich - nach 42 Jahren habe ich meinen ursprünglichen Geburtsnamen wieder zurück

Mitteilung für betroffene DDR-Zwangsadoptierte

 

Ich habe im September 2015 den Versuch gestartet, meine Ursprungsidentität wieder zurück zu bekommen. Dazu habe mich an das Rechtsamt meines zuständigen Bezirkes in Berlin (Wohnort) gewandt. 

 

Ich wollte den 2. Vornamen gelöscht haben, sowie meinen Ursprungsfamiliennamen wieder zurück bekommen.

 

Wer das auch machen möchte, muss wie folgt vorgehen:

 

Dazu musste ich 2 Anträge stellen:

 

* Antrag auf Änderung des Vornamen - Gebühr 76€  

* Antrag auf Änderung des Familiennamen - Gebühr 153€ 

* ein Führungszeugnis vorweisen, 

* Einkommensnachweise

* Unterschrift geben, damit das Rechtsamt eine Anfrage bei der Schufa stellen  kann, um zu überprüfen, ob Schulden oder Konkursmasse vorliegen

(die o.g. Gebühren werden höher, wenn Einträge vorhanden sind)

* beglaubigten Geburtsregisterauszug 

* aktuelle Meldebestätigung

 

In meinem Fall brauchte das Amt noch zusätzliche Nachweise: 

 

* Staatliche Adoptionsfreigabe durch die DDR-Jugendhilfe 

* Verweigerung der Adoptionsfreigabe der leiblichen Mutter 

* Urteil über die strafr. Rehabilitierung der leiblichen Mutter 

* schriftliche Erklärung der Adoptionsmutter welches beim Rehabilitierungsgericht vorliegt, dass sie als angehende Adoptiveltern von Anfang darüber informiert wurden, dass meine leibliche Mutter in Haft saß und dabei Flucht und Ausreise aus der DDR eine Rolle spielte.

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Beide Anträge wurden genehmigt und sind seit dem 05.12.2015 rechtskräftig. 

 

Für das Rechtsamt war es die 1. Entscheidung von Ursprung-Identitätsrückgabe im Fall einer erfolgten DDR-Zwangsadoption gewesen. Der Beschluss wurde in einem Gremium von Rechtsanwälten gefällt.
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Es lohnt sich den Weg zu gehen, wenn es für einen selbst wichtig ist. Sicherlich könnte man jetzt meckern, dass man als Betroffene die komplette Gebühr von 229€ selbst bezahlen muss. Auch muss man die Gebühren für neue Ausweispapiere usw. selbst übernehmen.


Ob sich das eines Tages einmal ändert, kann ich noch nicht sagen. Wir werden auf alle Fälle immer wieder darauf aufmerksam machen, dass dies geändert werden muss.

Das Gefühl, die Ursprungsidentität wieder zu haben, ist einfach nur phantastisch. Als ich den Bescheid, und wenige Tage später beiden Urkunden in den Händen hielt, habe ich vor Glück geweint. Es fiel ein großer Ballast von meinem Herzen.

Ich weinte - nicht nur vor lauter Freude, sondern auch weil mir bewusst wurde, wie sehr mich der Verlust meiner Ursprungsidentität über 42 Jahre geschmerzt hatte, wie groß die Sehnsucht war, wieder ICH sein zu können.

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Die Zwangsadoption ist damit nicht aufgelöst, denn gibt das bestehende Adoptionsvermittlungsgesetz noch nicht her. Allerdings weiß ich auch, dass dies jetzt überarbeitet werden soll.
Das hat Frau Otto von der ZABB auf dem UOKG-Kongresse " Entrückte Biografien" am 07.11.2015 geäußert.

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Wer noch weitere Fragen hat, kann sich gerne an mich wenden.

Noch ein Tipp: wer die o.g. Nachweise aus seiner Adoptionsakte nicht hat, sollte sich einem Psychologen (zwecks Atest) zur Hilfe nehmen, der bestätigt, dass ihr mit der "falschen" Identität nicht länger umgehen könnt.

 

 

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