Was lange währt ... wird gut

15. September 2016


Heute ist der Tag, an dem ich zum allerersten Mal meinen leiblichen Vater treffen werde. Ich bin ziemlich aufgeregt und alle möglichen Gedanken und Gefühle tauchen auf.

Wird er mich mögen? Was ist, wenn ich ihm nicht gefalle? Werden wir Gesprächsstoff finden oder eher ins Schweigen rutschen? Fragen über Fragen, halt typisch für mich.


Doch alles kommt anders, als ich dachte. Es begann damit, dass ich ihm im Ende Mail mein Buch, zwei Kinderbilder und einem Brief schickte. Das Warten auf Antwort war sehr bewegend. Wird er antworten und wenn ja, würde er mich treffen wollen? Für mich ist das sehr wichtig, denn ich möchte wissen, wer ich bin. Was habe ich von ihm? Sehe ich ihm ähnlich oder habe ich irgendwelche Eigenschaften, die er auch besitzt? Was für ein Mensch ist er? u.v.m.


Er antwortete mir und zum allerersten Mal habe ich ein Bild von ihm in meinen Händen, auf dem er mit seiner Frau und ihren kleinem Hund zu sehen sind. Sie wirken sehr sympathisch.


Kurz darauf telefonieren wir zum ersten Mal und es ist so, als wenn wir uns schon ewig kennen. Er kommt mir so vertraut vor, als ob ich ihn schon immer kennen würde. Wie geht das? Immerhin ist er ein fremder Mensch für mich. Ich erkläre es mir damit, dass ich schließlich fünfzig Prozent seiner Gene habe, smile. Für uns ist klar, dass wir uns sehen wollen und so beginnt die Planung dafür.


Ich werde sehr herzlich begrüßt. Als er mich an der Tür empfängt, fragte er mich gleich, ob ich enttäuscht sei? Nein, das war ich natürlich nicht, ganz im Gegenteil.

Er und seine Frau sind zwei herzliche Menschen. Es gab viel zu erzählen und nicht eine Sekunde lang kam irgendeine schweigende Minute auf. Es war sehr schön.


Als Adoptierte ist es ja immer etwas schwierig, sich zwischen zwei Familien hin und her zu bewegen. Ich erzählte von meiner Adoptivfamilie und wenn ich von meinem Vater sprach, meinte ich natürlich meinen Adoptivvater. Doch wie spreche ich meinen leiblichen Vater an? Interessanter Weise kommt mir eine Idee und ich mache ihm den Vorschlag, dass ich ihn gerne mit Paps ansprechen würde, wenn es ihm recht ist. Er ist damit einverstanden und für mich fühlt es sich total stimmig an.


Ihr Lieben, was soll ich euch sagen? Ich habe meinen Paps gefunden und es ist unbeschreiblich schön, wenn auch ein wenig "fremd". Doch er ist es und ich fühle mich nun endlich komplett.


Seine Frau ist auch so lieb und als sie mich verabschiedete, hätte sie mich fast zum weinen gebracht, weil ich so gerührt war. Ich tat es dann im Auto, als ich sehr bewegt über den wunderschönen gemeinsamen Tag nachdachte. Der Grund dafür war, dass sie mir zum Abschied sagte: "Herzlich willkommen in der Familie."


Jetzt fühle ich mich komplett und ich bin den Beiden sehr dankbar. Nicht nur ich hatte viele Gedanken und Gefühle, die erst einmal sortiert werden wollten, sondern sie auch. Für sie war das sicherlich auch nicht einfach.


Zum Schluss möchte ich euch noch ein Bild zeigen, was wir gemacht haben. Es ist unser erstes gemeinsames Bild und ich wünsche mir von Herzen, dass wir noch viele dazu kommen, die uns zu zweit, zu dritt, zu viert usw. abbilden.


Danke, dass es euch Beide (plus Moritz) gibt.

Danke, dass ich euch besuchen konnte.

Danke, dass ich bei euch willkommen bin.




 

 

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